Neueste Kommentare

Newsfeeds

Inhalt abgleichen

Die langjährige Dominanz von SED- und Ex-DDR Staatssicherheitsfunktionären bei der "jungen Welt" verhinderte jede kommunistische Debatte über die DDR

Seit 12 Jahren, seit der Absetzung des Chefredakteurs Klaus Behnken 1997, der dann durch Arnold Schölzel ersetzt wurde, ist die Dominanz von ausgebildeten SED-Funktionären und Staats-sicherheits-Funktionären der Ex-DDR auch personell eindeutig. Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit waren u. a. die „junge Welt“-Redakteure und Autoren:

  • Arnold Schölzel, seit Februar 2000 Chefredakteur der „jungen Welt“;
  • Rainer Rupp, der nach 1990 zeitweilig auch „Berater Außen- und Sicherheitspolitik“ der PDS war;
  • Peter Wolter (jW-Bereich „Interview“), jahrelang tätig für die „Hauptverwaltung Aufklärung“ (HVA) der Ex-DDR. (Darüber schreibt dieser selbst in dem von Klaus Eichner und Gotthold Schramm herausgegebenen Buch „Kundschafter im Westen. Spitzen-quellen der DDR-Aufklärung erinnern sich“, Berlin 2003).

Diese Leute machten die „junge Welt“ zu einem Organ, das die reaktionäre Tätigkeit der DDR-Staatssicherheit verherrlicht. So wird Klaus Eichner, der in der „jungen Welt“ schreibt, stolz als ein „langjähriger leitender Analytiker in der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA)“ des MfS der DDR vorgestellt (jW, 22.11.2006). Gespräche mit Mitarbeitern des MfS („Hauptverwaltung Aufklärung“) wurden abgedruckt (jW 28.04.2007). Der ehemalige oberste Chef von ihnen allen, der ehemalige Regierungschef der DDR und SED-Vorsitzen-de Egon Krenz hatte in der „jungen Welt“ ebenfalls als Autor seinen Platz (jW, 23.02.09).

Jede kritisch-analytische, jede tatsächlich am wissenschaftlichen Kommunismus orientierte Auseinandersetzung mit der DDR-Entwicklung wurde von den dominierenden ehemaligen MfS-Leuten in der „jungen Welt“ unterdrückt und verhindert. Das war einfach unerträglich und absolut nicht mehr hinnehmbar.

Wir haben das Autorenkollektiv des Buches „Die Gründung der SED und ihre Vorgeschichte (1945–46)“ (Verlag Olga Benario und Herbert Baum, Offenbach 2009) gebeten, einige Fra-gen zur DDR zu beantworten:

Worin seht ihr die positive Bedeutung der DDR als Bezugspunkt für linke Kräfte?

Die Rote Armee marschierte ja nicht zum Spaß 1945 nach Deutschland ein, sie garantierte auch in den ersten Jahren der Gründung der DDR 1949, dass wenigstens gegen die Nazis vorgegangen wurde und gegen jene Kapitalisten und Großgrundbesitzer, die mit den Nazis verbunden waren, auch eine Politik der Enteignung betrieben wurde. Es war natürlich gut und nicht schlecht, dass diese Maßnahmen in Sachsen, dem industriell fortgeschrittensten Gebiet der sowjetischen Besatzungszone, mit einem Volksentscheid für die Enteignung der Kriegs- und Naziverbrecher bekräftigt wurde.

Seht ihr in dieser Zeit schon Ansatzpunkte für die spätere Fehlentwicklung?

Schon in den ersten Jahren bei der Erfüllung des Potsdamer Abkommens mangelte es letztlich an der nötigen Konsequenz. Der Kampf gegen die Nazis wurde allzu früh reduziert und später praktisch eingestellt. Damit wurde die Idee der notwendigen und berechtigten Unterdrückung und Bestrafung der Nazis mehr und mehr aufgegeben. Insbesondere auf dem Gebiet des ideologischen Kampfes gegen die Nazi-Ideologie und die reaktionäre deutsche Ideologie überhaupt sind von Anfang an schwere Versäumnisse zu verzeichnen. Die Versuche der SED, an die zu großen Teilen reaktionär und nazistisch verhetzten Massen heranzukommen, waren immer mehr verbunden mit faulen Zugeständnissen an die tief sitzende deutsch-nationalistische Ideologie. Von der 1945 noch klar festgestellten Mitschuld, auch der Werktätigen, an den Verbrechen des Nazifaschismus war immer weniger oder gar nicht mehr die Rede.

Welchen Fehler machte, eurer Meinung nach, die SED bei der Einschätzung der Lage nach der Gründung der DDR?

An einem Punkt möchten wir das hier schon mal verdeutlichen. Die SED behauptete 1950, also gerade mal fünf Jahre nach der militärischen Zerschlagung des Nazi-Faschismus von außen, bei allgemeinen Wahlen bereits weit über neunzig Prozent der Bevölkerung der DDR für ein demokratisch antinazistisches Programm gewonnen zu haben. Bei den Wahlen 1950 stimmten angeblich bei einer Teilnahme von 98,5 Prozent 99,7 Prozent für dieses Programm. Und zwei Jahre später, 1952, wurde gar verkündet, dass bereits die Mehrheit der Arbeiterklasse für den „Aufbau des Sozialismus in der DDR“ (2. Parteikonferenz der SED) gewonnen sei.

Wie absurd und falsch solche Einschätzungen und offensichtlich manipulierte Wahlergebnisse waren, erwies sich spätestens 1953, als es den westdeutschen Imperialisten unter Führung Adenauers gelang, in der DDR eine konterrevolutionäre Massenbewegung für die Einheit in einem imperialistischen Deutschland zu mobilisieren. Da zeigte sich auch, wie absurd die hohe Zahl von 1,7 Millionen Parteimitgliedern der SED war (in der zehnmal größeren revolutionären Sowjetunion betrug die Zahl der Parteimit-glieder 1918 lediglich 600.000 Mitglieder!).

Selbst mit der Mobilisierung von nur einem Zehntel dieser 1,7 Millionen Parteimitglieder hätte es möglich sein müssen, am 17. Juni 1953 auf der Straße den aufgehetzten werktätigen Massen mit überzeugenden Argumenten und, wo nötig, auch mit handfestem Eingreifen entgegenzutreten. Dies geschah offenbar aber nicht. Es war die Rote Armee, welche den konterrevolutionären Um-trieben gegen kommunistische Kräfte in der DDR mit Panzern Einhalt gebot. Das war ein Armutszeugnis für die SED.

In der Tat stellt sich hier nicht unberechtigt die Frage, ob es in der DDR jemals eine Mehrheit für sozialistische Ideen in der Arbeiterklasse gegeben hat. „Die Mehrheit ist für uns“ wurde zur Lebenslüge der schon bald völlig im revisionistischen Sumpf versunkenen SED. Die SED begrüßte bekanntlich den revisionistischen XX. Parteitag der KPdSU 1956, wo der angeblich nun doch mögliche „friedlich-parlamentarische Weg zum Sozialismus“ verkündet wurde.

Welche Rolle spielte eurer Meinung nach die Sowjetunion für die spätere DDR-Entwicklung, vor allem beim Ende der DDR 1989/90?

Wir wollen hier zunächst festhalten, dass die SED mit ihren Funktionären zu eingefleischten Antikommunisten wurden, die die Idee des Sozialismus und Kommunismus theoretisch und praktisch furchtbar diskreditiert haben. Mit solchen Funktionären war wirklich kein sozialistischer Staat zu machen.

Aber in der Tat kann dies nicht korrekt eingeschätzt werden, ohne die Rolle des russischen Sozialimperialismus zu betrachten, der sich nach dem Verrat der Chruschtschow-Revisionisten – siehe XX. Parteitag 1956 – herausbildete und international als imperialistische Groß-macht agierte (Einmarsch in die CSSR 1968, Einmarsch in Afghanistan 1979 ...).

Bedingt durch die Tatsache, dass sich die revisionistisch kapitalistische Herrschaft in der DDR auf keine wirklich breite Mehrheit in der Bevölkerung stützen konnte, stellte vor allem die Anwesenheit der Truppen der russischen Sozialimperialisten einen gewichtigen Machtfaktor für die Stabilität dieser Herrschaft dar. Darüber hinaus war die DDR – trotz vorhandener Widersprüche – auch politisch und ökonomisch fest an die russischen Sozialimperialisten gebunden und von diesen stark abhängig. Die Preisgabe der DDR durch die russischen Sozialimperialisten zur Zeit des Zerfalls von deren imperialistischen Herrschaftsbereich, begleitet von dem insbesondere seit den 70er Jahren verstärkten Vordringen des westdeutschen Imperialismus, war denn auch der entscheidende äußere Faktor für den Zusammenbruch der revisionistischen DDR. Nach den jahrzehntelangen SED-Bemühungen, durch Anbiedere und Nachäfferei der BRD auf kulturellem und wissenschaftlichem Gebiet die DDR-Bevölkerung hinter sich zu bringen oder zu halten, folgte 1989 im Zusammenhang mit dem Zerfall des imperialistischen Herrschaftsbereichs der schon längst nicht mehr sozialistischen UdSSR das Ende der polizeistaatlich organisierten DDR und daraufhin ihre vollständige Einverleibung durch den west/deutschen Imperialismus.

Der westdeutsche Imperialismus hatte schon jahrzehntelang und in den Jahren vor 1989 verstärkt zudem die DDR wirtschaftlich in erheblichem Umfang infiltriert. Daher klappte das Verschlucken der DDR weitgehend reibungslos.

Aber die DDR-Einverleibung konnte den wirklich linken Kräften doch nicht egal sein, oder?

Gewiss nicht, aber die Einverleibung der DDR war nicht etwa deshalb abzulehnen und zu bekämpfen und ist nicht deshalb anzuprangern, weil die DDR zu diesem Zeitpunkt angeblich „sozialistisch“ war, sondern weil die Einverleibung der DDR die Machtausdehnung des west/deutschen Imperialismus bedeutete und bedeutet.

Dokument herunterladen: